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Geschichten - Zum Lesen: Das Brot des LebensDiese Geschichte verdanke ich der Zusammenarbeit mit wunderbaren Menschen im Bezirkskrankenhaus Landshut. Es lebten ein Fischer und seine Frau, die sehr arm waren und auch keine Kinder hatten, weshalb die beiden oft klagten und stritten, wer an dem Elend mehr Schuld habe. An einem stürmischen Tag fand der Mann an einem Felsen eine junge Möwe, die sich verletzt hatte. Er hob sie auf, und weil sie ihm leid tat, nahm er sie mit, um sie zuhause gesund zu pflegen. Die Frau schimpfte über ihren einfältigen Mann: „Wir haben doch selber kaum zu beißen, und nun schleppst Du uns auch noch dies Tier an.“ Als ihr Mann aber am andern Tag fort aufs Meer musste, da fand auch sie Gefallen daran und gab der Möwe von dem wenigen, das sie besaßen, etwas ab. Sie wollte es aber ihrem Mann gegenüber nicht zugeben und schimpfte immer, wenn er nachhause kam, über das gefräßige Tier. Schließlich war der Vogel wieder zu Kräften gekommen, da ging der Mann mit ihm hinunter ans Meer und ließ ihn wieder fliegen. Wie der Vogel aber fortgeflogen war, stand auf einmal ein kleiner grauer Gnom nehmen dem Mann und sprach: "Weil du zu dem Vogel so gut warst, will ich dir ein Geheimnis verraten. Nicht weit von hier ist eine verwunschene Insel. Auf dieser liegt das Brot des Lebens verborgen, das dem, der es besitzt, Macht über das Leben gibt. Steige mit deiner Frau in dein Boot und fahre dorthin. Es wohnen darauf ein Riese und eine grausige Unke, vor denen ihr aber keine Angst haben dürft, sonst ist’s um Euch geschehen. Fragt diese nach dem Brot des Lebens." Und da war der Gnom wieder verschwunden. Der Mann ging zu seiner Frau zurück, die ihn schimpfte, weil er den Gnom so einfach habe gehen lassen. Sie machten sich aber doch bereit und stiegen anderntags in ihr kleines Boot und fuhren hinaus. Weil die beiden bei der Fahrt so sehr stritten, wohin sie fahren sollten, hatte der Riese sie schon lange, bevor er sie sehen konnte, kommen hören und trat ihnen grimmig in den Weg. Der Fischer aber nahm all seinen Mut zusammen, zeigte keine Angst, und rief: "Wir sind gekommen, um das Brot des Lebens zu holen. Zeige uns den Weg!" Da drehte sich der Riese um, und ging voran. So kamen sie an ein altes verfallenes Schloss, das da mitten auf der Insel in einem Wald verborgen war. Dort ließ der Riese sie alleine, hieß sie aber in das Schloss hineingehen. Sie kamen in einen großen Innenhof, darin war ein alter Brunnen. Auf dem Brunnenrand aber saß eine alte, fette und schaurig anzusehende Unke, die sie böse anfunkelte. Da sprach die Frau: "Ich fürchte mich nicht vor dir, sondern bin gekommen, um das Brot des Lebens zu holen, das hier verborgen ist." Die Unke sprach: "Das Brot des Lebens wollte schon mancher holen. Ich werde Euch eine Aufgabe stellen. Die müsst ihr lösen, dann werdet ihr es bekommen." Und weil der Fischer und seine Frau damit einverstanden waren sprach sie weiter: "Oben auf dem alten Schlossturm wächst eine alte Eiche. In ihren obersten Zweigen hängt eine Krone, die müsst ihr holen. Es darf aber kein Sonnenstrahl am Himmel zu sehen sein, sonst ist all Eure Mühe umsonst gewesen, und ihr werdet selber für alle Zeit zu Bäumen werden." Der Fischer und seine Frau kamen zu dem Turm. Das Tor stand offen, doch war da keine Treppe mehr zu sehen. Sie suchten und suchten, fanden aber keinen Weg. Da stieg schließlich der Mann auf die Schultern der Frau und wollte den Turm emporklettern. Doch er glitt immer wieder hinab, so sehr er sich auch bemühte. So ging die Nacht voran, ohne das sie ihrem Ziele näher gekommen waren. Sie setzten sich nieder und waren ganz verzweifelt. Da hörten sie aber über sich ein Schreien und flattern, und das war die Möwe, die sie gepflegt hatten, die war ihnen zu Hilfe gekommen. Die Möwe flog zu der Eiche, packte die Krone und warf sie zu den beiden hinab, die nun, so schnell sie nur konnten, zu der Unke zurückeilten. Dort angekommen, mussten sie der Unke die Krone aufsetzen. Als sie das getan hatten, da war aber die Unke erlöst und stand da als eine junge und schöne Prinzessin. Auch das Schloss war wieder prächtig anzusehen und der Riese kam als ein junger Prinz hereingeschritten. Ein großes Fest wurde gehalten und schließlich wurden der Fischer und seine Frau mit vielen Reichtümern und dem Brot des Lebens auf ein großes Schiff gesetzt und von vielen Dienern und Soldaten begleitet, fuhren sie wieder hinaus aufs Meer. Kaum waren sie aber auf dem Meer und konnten kein Land mehr sehen, da kam ein gewaltiger Sturm auf, der das Schiff mit allem, was darauf war, in die Tiefe riss. Da kamen alle ums Leben, nur der Fischer und seine Frau hatten sich in ein kleines Boot retten können. Der Mann aber hatte das Brot des Lebens am Leib mit hineingenommen. Die Tage gingen dahin, ohne dass die beiden Land gefunden hätten. Der Hunger wurde immer größer, und weil sie sich schließlich nicht mehr zu helfen wussten, begannen sie, Stück für Stück von dem Brot des Lebens zu essen, bis es schließlich zur Gänze verteilt war. Wie durch ein Wunder kamen sie kurz darauf wieder bei sich zuhause an, stiegen aus dem Boot und schleppten sich traurig und müde in ihre Hütte. Nach einigen Wochen aber lag die Frau im Wochenbett und gebar ein munteres Kind, und da war die Freude groß und aller Streit und alles Jammern hatten ein Ende. Am Tag, als die Taufe sein sollte, erschien morgens der Gnom, schaute das Kind lächelnd an, und sprach: "Ich sehe, ihr habt das Brot des Lebens gefunden", und verschwand wieder. In der Kirche aber standen der Prinz und die Prinzessin, die waren gekommen um Taufpaten zu werden. Und da wurden sie noch einmal reich beschenkt. Und so lebten sie glücklich miteinander bis an ihr Lebensende. 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