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Geschichten - Zum Lesen: Hans DummQuelle: Gebr. Grimm, Kinder- und Hausmärchen, 1. Band 1812 Es war einmal ein König, der lebte mit seiner Tochter, die sein einziges Kind war, lange Jahre vergnügt. Da geschah es, dass seine Tochter ein Kind bekam, und niemand wusste, wer der Vater war. Der König überlegte, was da zu tun sei, und beschloss schließlich, dass seine Tochter mit dem Kind in eine Kirche gebracht werden solle. Dort solle dem Kind eine Zitrone in die Hand gegeben werden und wem es die gebe, der sei der Vater des Kindes und Gemahl seiner Tochter. Es sollten aber niemand als schöne Menschen in die Kirche eingelassen werden. Und so geschah es denn auch. Es lebte aber in der Stadt auch ein kleiner buckeliger und nicht recht kluger Bursch, der darum der Hans Dumm genannt wurde. Der drängte sich an dem Tag unbemerkt mit den anderen auch in die Kirche, und als das Kind die Zitrone verteilen sollte, da gab es sie dem Hans Dumm. Die Prinzessin war entsetzt, der König aber so außer sich vor Zorn, dass er seine Tochter mit dem Kind und dem Hans Dumm in ein Fass stecken und auf das offene Meer bringen ließ. Dort schwamm das Fass bald fort. Als sie aber allein waren, begann die Prinzessin zu weinen und zu klagen: "Du garstiger, buckeliger, naseweißer Bub bist schuld an all meinem Unglück. Was musstest du dich in die Kirche drängen, das Kind ging dich nichts an!" "Es ging mich doch etwas an," sprach da der Hans Dumm, "denn ich hatte es mir einmal gewünscht, dass du ein Kind bekämst, und was ich mir wünsche, das trifft ein." "Wenn das so ist, wie du sagst," antwortete die Königstochter, "dann wünsche uns doch etwas zum Essen her. Ich leide großen Hunger!" "Das kann ich auch", sprach der Hans Dumm und wünschte sich eine große Schüssel voller Kartoffeln. Die Prinzessin hätte sich wohl etwas anderes gewünscht, weil sie aber so hungrig war, half sie dem Hans Dumm die Kartoffeln zu essen. Als sie satt waren, sprach der Hans Dumm: "Nun möchte ich, dass wir auf einem großen Schiff sind, auf dem alles im Überfluss vorhanden ist." Und kaum hatte er das Wort zuende gesprochen, da waren sie schon auf einem prächtigen Schiff, auf dem alles war, das man sich nur wünschen konnte. Die Segel blähten sich im Wind, und das Schiff eilte dem Lande entgegen. Da gingen sie von Bord, und der Hans Dumm schaute über das Land. "Nun soll ein Schloss da stehen", sprach er. Da stand da ein Schloss, und Diener in goldenen Kleidern kamen, und führten die Prinzessin mit dem Kind hinein. Und als sie mitten in dem großen Saale standen, sprach der Hans Dumm erneut: "Nun wünsche ich, dass ich ein kluger und verständiger Prinz werde." Da verlor sich sein Buckel, seine Gestalt streckte sich und er ward schön und grad und freundlich, und er gefiel der Prinzessin und wurde ihr Gemahl. So lebten sie lange glücklich in dem Schloss. Der König aber war alt geworden. Einmal ritt er aus und verirrte sich in dem Wald. Und da kam er an das Schloss und verwunderte sich darüber, dass er es noch niemals gesehen hatte. Er begehrte Einlass, die ihm öffnete war aber keine andere als seine Tochter. Er erkannte sie nicht und glaubte sie ja auch schon lange im Meer ertrunken. Sie aber erkannte ihren Vater gleich, gab sich ihm aber nicht zu erkennen. Sie bewirtete ihn königlich, und als er wieder heimreiten wollte, steckte sie ihm unbemerkt einen goldenen Becher in die Manteltasche. Als der König fort war, schickte sie einige Reiter hinterher, die sollten den König anhalten und untersuchen, ob er nicht einen goldenen Becher gestohlen habe. Und wie sie ihn bei ihm fanden, führten sie ihn wieder zurück vor die Prinzessin. Der König sprach: "Ich habe den goldenen Becher nicht gestohlen. Ich weiß nicht, wie er in meine Manteltasche gekommen ist." Da sprach die Prinzessin: "Da siehst du, dass man niemanden vor der Zeit für schuldig sprechen soll", und gab sich als seine Tochter zu erkennen. Da freute sich der alte König und blieb in dem Schloss bis zu seinem Tode. Und da wurde der Hans Dumm König und aus der Prinzessin eine schöne und kluge Königin. Ende zurück zu Geschichten zum Lesen Fragen und Anregungen bitte an: info@zungenklang.de nach oben zum Seitenanfang / zur Navigation |