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Geschichten - Zum Lesen: Münchhausen auf der Jagd

Karl Friedrich Hieronymus Freiherr von Münchhausen erblickte am 11. Mai 1720 im niedersächsischen Bodenwerder das Licht der Welt. Als junger Adeliger diente er in der russischen Armee und nahm für sie auch an zwei Türkenkriegen teil. 1755 kehrte er unversehrt in seine Heimat zurück. Fortan liebte er es, sich Freunde einzuladen, denen er bei einem Glas Wein und gutem Essen überaus fantastische und außergewöhnliche Geschichten zu erzählen pflegte. Einmal berichtete er, scheinbar vom Entenbraten auf den Tellern an ein Abenteuer sich erinnernd:

Quelle :Des Barons von Münchhausens fantastische Reisen

Einmal an einem schönen Morgen war ich auf die Jagd gegangen. Ich bemerkte ein paar Dutzend Wildenten, die friedlich auf einem kleinen See herum schwammen. Sie sahen gut aus und mir lief schon das Wasser im Munde zusammen. Aber ich wollte nicht schießen. Denn ich wusste: Schieße ich auf eine, fliegen mir die anderen davon. Das galt es zu verhindern. Plötzlich kam mir ein guter Gedanke. Ich hatte noch eine lange Hundeleine bei mir. Die dröselte ich auf, verknotete dann die Teile des Seils miteinander, bis dass sie etwa viermal so lang war wie zuvor und auch viel dünner. An dem einen Ende knotete ich nun ein Stückchen Schinkenspeck fest, das von meinem Frühstück übrig geblieben war. Jetzt warf ich ganz vorsichtig die Leine aus. Ich hielt mich gut versteckt und sah schon bald die erste Ente herbeikommen. Sie verschlang gleich den ganzen Speck. Da er sehr glatt und schlüpfrig war, kam er bald, samt dem Faden, an der Rückseite der Ente wieder heraus. Das sah eine andere Ente, die auch gleich angerudert kam und das Speckstückchen mit einem Haps verschlang, ob ihr es glaubt oder nicht. Und auch bei ihr tauchte es kurz darauf hinten wieder auf, so dass dies Spielchen munter so weiter ging! Der Speck machte eine lange Reise durch alle Enten hindurch, ohne dass die Leine riss, was mich sehr freute. Und so waren sie am Ende daran aufgereiht wie die Perlen an einer Schnur. Jetzt wollte ich meine Enten an Land ziehen und damit nachhause gehen. Darum schlang ich die Leine sechsmal um mich herum, sodass die Enten um mich herum hingen. Sie schimpften, aber es blieb ihnen nichts weiter übrig, als mir zur Gesellschaft zu werden. Sie waren recht schwer und ich wurde darum auch schon bald recht müde, da begannen die Enten, die ja alle noch lebendig waren, plötzlich mit den Flügeln zu schlagen und stiegen in die Luft! Mit mir! Denn ich hatte ja die Leine um mich herumgewickelt! Und sie schienen zu dem See zurückfliegen zu wollen. Aber nicht mit mir! Nicht mit einem von Münchhausen, liebe Freunde. Was tat ich? Ich benutzte meine langen Rockschöße als Ruder, und so mussten die Enten endlich wieder umkehren. Ich steuerte sie auf diese Weise ganz mühelos landeinwärts bis wir nicht mehr weit von meiner Wohnung waren. Aber wie sollte ich nun landen? Mit den Enten war nicht zu reden, die schnatterten so laut vor Wut, dass ich schon ganz taub war. Da nahm ich die erste und drehte ihr den Hals um, dann der zweiten, schließlich einer nach der andern und so sank ich, sanft wie eine Feder und schön langsam auf mein Haus herunter, kam mitten durch den Schornstein und auch haargenau auf den Küchenherd, wo die Enten ja hinsollten. Mein Koch staunte nicht schlecht, das kann ich euch sagen! Zu meinem Glück brannte auf dem Herd noch kein Feuer. Sonst hätte es womöglich Münchhausenbraten gegeben. Aber so gab es köstliche Entenbrust mit Preiselbeeren!

Ein anderes Mal, an einem ebenso schönen Abend, bei einem herrlichen Hirschgulasch erzählte er:

Ich war in einem Jagdrevier unterwegs, dass ich bereits oft durchstreift hatte. Lohn meiner Mühen waren bereits einige fette Hasen geworden, und ich dachte schon ans Umkehren, da stieß ich ganz unerwartet auf einen kapitalen Hirsch! Ich hob die Flinte und wollte schießen, als ich merkte, dass ich gerade die allerletzte Flintenkugel verschossen hatte! Stellt euch nur vor, das stattliche Tier schien das zu ahnen und blickte mir, statt auszureißen, beinahe ein bisschen unverschämt ins Gesicht. Oh, das ärgerte mich. Ich dachte mir, so kannst du einem Münchhausen nicht vors Auge kommen! Ich nahm eine Handvoll Kirschkerne, die ich in der Rocktasche gehabt hatte, lud damit meine Flinte, legte rasch Pulver auf und zielte zwischen das Geweih des Hirsches. Ich schoss. Der Hirsch taumelte, als sei er betäubt, trabte dann aber auf und davon, was mir nicht gefiel, ich aber dennoch geschehen lassen musste.

Ein oder zwei Jahre vergingen, und ich jagte wieder einmal im gleichen Revier. Plötzlich tauchte vor mir ein prächtiger Hirsch auf. Aber stellt euch nur vor, wie erstaunt ich war, denn zwischen dem Geweih wuchs ein veritabler Kirschbaum! Warte, dachte ich, diesmal entkommst du mir nicht! Und ich streckte ihn mit nur einem einzigen Schuss nieder. Und da sein Kirschbaum voller Kirschen hing, gab es am nächsten Sonntag Hirschrücken mit Kirschtunke Ich kann euch sagen, das war ein mehr als delikates Essen!

Auf all seinen Jagden begleitete den Baron übrigens sein Hund, von dem er gerne die folgende Geschichte zum Besten gab:

Dieser Hund hier – sagte er und streichelte ihn dabei, denn er lag stets an seinen Füßen – ist ein echter Windhund, den ich vom Zar persönlich als Anerkennung meiner Jagdverdienste bekommen habe. In seinen jungen Jahren hat er alle Hunde an Schnelligkeit und Ausdauer übertroffen, die ich jemals besessen habe. Er wollte immerzu laufen und wurde niemals müde. Und weil er darum immerzu auf den Beinen war, lief er sie sich mit der Zeit weg, und das bis unter den Bauch! Während der letzten Jahre konnte ich ihn deshalb nur noch als Dackel gebrauchen, aber auch dabei ist er stets erstklassig.

Seine Freunde liebten diese langen Abende in Bodenwerder. Baron von Münchhausen starb schließlich im damals stolzen Alter von 77 Jahren. Seine Geschichten aber leben weiter und seine Heimatstadt hält sein Andenken bis an den heutigen Tag in Ehren..

Ende


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