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Geschichten - Zum Lesen: Vom Pfannkuchennach einem ukrainischen Märchen Es waren einmal ein alter Mann und eine alte Frau, die waren so arm, dass sie nicht einmal ein Stückchen Brot im Hause hatten. Eines Tages bat der Alte: "Mütterchen, backe doch bitte ein Küchlein." "Woraus soll ich es backen, wo wir doch kein bisschen Mehl mehr im Hause haben", fragte die Frau verwundert. "Geh doch, Mütterchen, in die Kammer und kehre im Kornkasten ein bisschen Mehl zusammen, das reicht dann für ein Küchlein." Die Frau folgte dem Rat des Mannes, ging in die Kammer, kehrte im Kornkasten ein bisschen Mehl zusammen und heizte den Ofen an. Alsdann knetete sie Eier in den Teig, buk ein Küchlein und legte es auf die Fensterbank, dass es abkühle. Da lag also das runde Küchlein auf der Fensterbank. Bald aber rollte es auf die Wandbank hinunter, dann von der Wandbank in den Hof, vom Hof durch das Tor auf die Straße, immer weiter und weiter. Es rollte und rollte die Straße entlang, bis ihm ein Häschen entgegenhoppelte. "Küchlein, Küchlein, ich fresse dich." Das Küchlein bat: "Häschen, liebes Schnuppernäschen. Friss mich nicht, ich singe dir auch ein Lied dafür!" "Na gut, lass hören!" Da hub das Küchlein zu singen an: "Man kehrt im Kasten mich zusammen und buk mich gar auf heißen Flammen. Doch siehe da, ich entrann dem Weib und ihrem Mann. Und nun entwisch' ich dir!" Und fort war es. Es rollte und rollte die Straße entlang, bis ihm ein Wolf entgegenlief. "Küchlein, Küchlein, ich fresse dich!" "Ach graues Wölflein, friss mich nicht. Ich singe dir auch ein Lied dafür." "Na gut, lass hören!" Da hub das Küchlein zu singen an: "Man kehrt im Kasten mich zusammen und buk mich auf gar heißen Flammen. Doch siehe da, ich entrann dem Weib und ihrem Mann, und auch dem Häschen Schnuppernäschen Und nun entwisch' ich dir!" Und fort war es. Es rollte und rollte die Straße entlang, bis ihm ein Bär entgegentrottete. "Küchlein, Küchlein, ich fresse dich!" "Ich bitte dich sehr, lieber Zottelbär, friss mich nicht. Ich singe dir auch ein Lied dafür!" "Na gut, lass hören." Da hub das Küchlein zu singen an: "Man kehrt im Kasten mich zusammen und buk mich auf gar hellen Flammen. Doch siehe da, ich entrann dem Weib und ihrem Mann, und auch dem Häschen Schnuppernäschen und auch dem Wolf, dem grauen Wolf, Und nun entwisch' ich dir!" Und fort war es. Wieder rollte und rollte es die Straße entlang., bis einmal am Straßenrand auf einer Wiese ein Fuchs lag, der das Küchlein kommen sah. Als das Küchlein den Fuchs sah, fürchtete es sehr, gefressen zu werden, und so begann es zu singen: "Man kehrt im Kasten mich zusammen und buk mich auf gar hellen Flammen. Doch siehe da ..." "Ach Spielmann, singt Ihr mir ein Lied? Doch ich bin schon alt und kann gar nicht mehr gut hören. Kommt doch etwas näher, damit ich Euch besser hören kann." Da rollte das Küchlein ein wenig näher und begann wieder sein Lied zu singen: "Man kehrt im Kasten mich zusammen und buk mich auf gar hellen Flammen. Doch siehe da ..." "Ach Spielmann," log da der Fuchs, "es ist gewiss ein wundervolles Lied, doch Ihr sitzt gerade an der Seite, wo das Ohr bereits völlig ertaubt ist. Kommt doch her und setzt Euch hierauf meine Nase. So werde ich Euch gewisslich gut hören." Das tat das Küchlein. Doch kaum hatte es ein paar Takte gesungen, da begann der Fuchs sich im Rhythmus mitzuwiegen, sodaß dem Küchlein ganz angst und bange wurde, es könne herabfallen. "Wißt Ihr was?" sprach da der Fuchs. "Wenn Ihr Euch hier auf meine Zungenspitze setzt, so werdet Ihr nicht herunterfallen, wenn ich bei Eurem herrlichen Liede ein wenig in’s Tanzen gerate." Das leuchtete dem Küchlein ein und es setzte sich dem Fuchs geradewegs auf die Zungenspitze und begann sein Liedlein auf’s Neue: "Man kehrt im Kasten mich zusammen und buk mich auf gar hellen Flammen. Doch siehe da, ich entrann dem Weib und ihrem Mann, und auch dem Häschen Schnuppernäschen und auch dem Wolf, dem grauen Wolf, und auch dem Bär, dem Zottelbär. Und nun ..." Allein da zuckte die Zunge des Fuchses und schon hatte er das Küchlein verschluckt. Ende zurück zu Geschichten zum Lesen Fragen und Anregungen bitte an: info@zungenklang.de nach oben zum Seitenanfang / zur Navigation |