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Geschichten - Zum Lesen: Die SkelettfrauEine Geschichte, die ich im Wesentlichen so auf der Site www.internet-maerchen.de (externer Link) gefunden habe, die übrigens einen Besuch lohnt! Vor vielen Jahren, so vielen Jahren, dass sich niemand mehr genau daran erinnern konnte, was genau geschehen war, war einmal ein Mädchen von einem Felsen ins Eismeer hinab gestürzt und war ertrunken. So lag sie für eine lange Zeit am Meeresboden. Die Fische nagten ihr Fleisch bis auf die Knochen ab und fraßen ihre kohlschwarzen Augen. Blick- und fleischlos schwebte sie unter den Eisschollen, und ihr Gerippe wurde von der Strömung um- und um- und umgedreht. Die Fischer und Jäger der Gegend hielten sich fern von der Bucht, denn es hieß, dass der Geist der Skelettfrau dort umginge. Doch eines Tages kam ein junger Fischer aus einer fernen Gegend hergezogen, der nichts davon wusste. Er ruderte seinen Kajak in die Bucht, warf seine Angel aus und wartete. Er ahnte ja nicht, dass der Haken seiner Angel sich sogleich in den Rippen des Skeletts verfing! Schon fühlte er den Zug des Gewichts und dachte voll Freude bei sich: "Oh, welch ein Glück! Jetzt habe ich einen Riesenfisch an der Angel, von dem ich mich für lange Zeit ernähren kann. Nun muss ich nicht mehr jeden Tag auf die Jagd gehen." Das Skelett bäumte sich wie wild unter dem Wasser auf und versuchte freizukommen, aber je mehr es sich aufbäumte und wehrte, desto unentrinnbarer verstrickte es sich in der langen Angelleine des ahnungslosen Fischers. Das Boot schwankte bedrohlich im aufgewühlten Meer, fast wäre der Fischer über Bord gegangen, aber er zog mit aller Kraft an seiner Angel, er zog und ließ nicht los und hievte das Skelett aus dem Meer empor. Voller Entsetzen starrte der Mann auf das, was dort zappelnd an seiner Leine hing - eine klappernde, mit Muscheln und allerlei Getier bewachsene Skelettgestalt. Laut schreiend schlug er mit seinem Paddel darauf ein, um es los zu werden. Er ruderte, so schnell er es im wilden Gewässer vermochte, an das Meeresufer, aber das Skelett hing weiterhin an seiner Angelleine, und weil der Fischer seine kostbare Angel nicht loslassen wollte, folgte ihm das Skelett, wohin er auch rannte. So lief er über Eis und Schnee, über Erhebungen und durch Vertiefungen. Und überall folgte ihm die Skelettfrau mit ihrem entsetzlich klappernden Totengebein. "Weg mit dir", schrie der Fischer ängstlich und rannte geradewegs über einige frische Fische, die jemand dort zum Trocknen in die Sonne gelegt hatte. Die Skelettfrau packte ein paar dieser Fische, während sie hinter dem Mann hergeschleift wurde, und steckte sie sich in den Mund. Sie hatte lange keine Menschenspeisen mehr zu sich genommen. Endlich war der Fischer bei seinem Iglu angekommen. In Windeseile kroch er hinein und sank auf das Nachtlager, wo er sich keuchend und stöhnend von dem Schrecken erholte und den Göttern dankte, dass er dem Verderben noch einmal entronnen war. Im Iglu herrschte vollkommene Finsternis, so dass der Fischer seine Öllampe anzündete, und im fahlen Licht beim Eingang des Iglus den völlig durcheinander geratenen Knochenhaufen der Skelettfrau liegen sah: ein Knie steckte in den Rippen ihres Brustkorbs, das andere Bein war um ihre Schultern verdreht. So lag sie da, in seine Angelleine verstrickt. Als er sie so sah, wich die Furcht von ihm, und er empfand Mitleid mit ihr. Er ging hinüber und begann, die Knochen zu entwirren und alles wieder an die rechte Stelle zu rücken. "Na, na, na", murmelte er leise vor sich hin und kaum war die halbe Nacht herum, da hatte er alle Knochen entwirrt, sie behutsam zurecht gerückt und ihr schließlich sogar ein warmes Fell um die Schultern gelegt, damit sie nicht fror. Als die Arbeit getan war, schlief er erschöpft ein. Im Traum aber sah er das Mädchen, das sehr schön war, wie sie ihn traurig ansah, und da lief ihm eine helle Träne über seine Wange. Die Skelettfrau sah es und kroch ganz leise zu ihm und trank die Träne. Dann ergriff sie das Herz des Mannes, das ebenmäßig und ruhig in seiner Brust klopfte, trommelte mit ihren Knochenhänden darauf und sang ein Lied dazu. Und je länger sie sang, desto mehr Fleisch und Haut legte sich auf ihre Knochen. Bald wuchsen ihr dichte lange Haare und kohlschwarze Augen, eine gute Nase und feine Ohren, breite Hüften, starke Hände, viele Fettpolster überall und warme, große Brüste. Schließlich war sie wieder ganz lebendig und schön, und kroch zu ihm unter die Decke. Sie gab ihm sein Herz zurück und schmiegte sich zärtlich an ihn. Am anderen Morgen erwachten die beiden eng umschlungen. Und weil sie von den Geschöpfen des Meeres, die die Freunde der Frau waren, ernährt und beschützt wurden, mussten sie Zeit ihres Lebens nie einen Mangel leiden. Ende zurück zu Geschichten zum Lesen Fragen und Anregungen bitte an: info@zungenklang.de nach oben zum Seitenanfang / zur Navigation |