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Geschichten - Zum Lesen: Der Topfnach einem nordischen Märchen Es lebten ein Mann und eine Frau, die waren sehr arm. Und obschon sie redliche und fleißige Leute waren, so waren doch Hunger und Not ihre häufigsten Gäste. Einmal, als die Not am größten war, sagte die Frau: "Ach lieber Mann. Gehe doch zu unserem Nachbarn. Er ist ein reicher Mann, dem wir schon so manche Arbeit getan haben, ohne einen Lohn dafür zu verlangen. Er wird uns sicher in der Not helfen." Der Mann nickte und machte sich auf den Weg. Der Reiche aber war bekannt als ein geiziger und misstrauischer Mann, der ständig in der Angst lebte, es könnte ihn einer bestehlen. Wie der Arme nun dahin kam, so schalt ihn der Reiche aus, er sei ein Taugenichts und Tagelöhner und er musste mit leeren Händen zu seiner Frau zurückkehren. Am anderen Tag sprach die Frau erneut: "Lieber Mann, versuche es doch noch einmal. Sicher wird er dir heute etwas geben." Doch es erging dem Mann nicht anders als beim ersten Mal. Am nächsten Tage ging die Frau selber hinüber, und glaubte, dass sie das Herz des geizigen Nachbarn erweichen könne. Aber ihr erging es noch schlimmer, denn der Geizige drohte ihr gar mit einem harten Stock, sollte sie noch einmal ihren Fuß auf seine Schwelle setzen. Die armen Leute setzten sich in ihre Stube und weinten, denn sie wussten keinen Ausweg aus ihrem Elend. Das hörte ein altes Weib, das draußen am Wege vorüberging, klopfte an und fragte, warum die beiden weinten, als ob es um ihr Leben ginge. Die Armen berichteten ihr freimütig von ihrer Not und dem geizigen Nachbarn. Darauf gab die Alte ihnen einen Topf und sprach: "Mit diesem Topf hat es eine besondere Bewandnis. Putzt und pflegt ihn gut, so werdet ihr nie mehr Hunger leiden." Die beiden armen Leute bedankten sich - obschon sie nicht recht wussten, was sie mit dem Topf beginnen sollten, und putzten ihn so sauber, dass er blinkte und blitzte. Da begann dieser zu sprechen und sagte: "Nun tripple-trapple ich." "Topf, wohin willst du denn?", fragte die Frau. "Zum geizigen Mann", sagte der Topf und war schon zur Türe hinaus. Er lief geradewegs in dessen Küche, wo eine Magd ihn stehen sah und dachte, dieser wäre gerade der rechte, um gute Grütze für ihren Herrn hinein zu füllen. Aber kaum war er gefüllt, da sagte der Topf: "Nun tripple-trapple ich." "Topf, bleib' stehen," rief die Magd, "wohin willst du denn?" "Zum armen Mann und seiner Frau", sagte der Topf und war auch schon zur Türe hinaus. Die beiden freuten sich, ließen sich die Grütze schmecken, putzten den Topf wieder gründlich aus und wollten ihn zu den anderen Töpfen auf das Regal stellen. Da sprach er erneut: "Nun tripple-trapple ich." "Wohin willst du denn?" fragte wieder die arme Frau. "Zum geizigen Mann", antwortete der Topf und war fort. Diesmal fand der Herr selber den Topf und sagte zu sich: "Dieser prächtige Topf kommt einem recht, der seinen Reichtum gut verwahrt wissen will", und legte auch gleich Taler über Taler hinein. Da sagte der Topf: "Nun tripple-trapple ich." "Topf, wo willst du denn hin?" rief der Geizige entsetzt, und wurde dabei so weiß im Gesicht, dass man meinen konnte, er würde auf der Stelle tot hinfallen. "Zum armen Mann und seiner Frau", antwortete der Topf. Da begann der geizige Mann fürchterlich zu schreien und hinter dem Topf herzurennen. Aber der Topf bekam so lange Beine und lief so schnell, dass ihn der Mann, der ganz ohne Atem war, bald aus den Augen verlor. Als die armen Leute das viele Geld sahen, wussten sie sich vor Freude und Staunen nicht zu fassen. Aber noch ehe sie den Topf fein geputzt zu den anderen auf das Wandbrett stellen konnten, sagte dieser wieder: "Nun tripple-trapple ich." "Aber Topf, wohin denn?", riefen Mann und Frau zugleich. Der Topf sprang zur Türe hinaus: "Noch einmal zum geizigen Mann." Der sah aber den Topf schon kommen, verstellte sich, und dachte an ihm nun seine Rache zu nehmen. Freundlich sagte er: "Dieser Topf glänzt wie das Gold, das ich bis heut' in einer groben Kiste versteckte, ich will es holen und hineintun." Statt dessen aber holte er einen großen Hammer und wollte dem Topf damit übel mitspielen. Wie er aber mit allen Kräften ausholte und zuschlagen wollte, wurde der Topf auf einmal so groß, dass der geizige Mann kopfüber hinein fiel. "Nun tripple-trapple ich", sagte der Topf. "Wohin denn nur? Lass mich doch hinaus", stöhnte der Geizige, dem nun schrecklich bang wurde. Der Topf aber trippel-trappelte mit dem Geizhals davon und ward nie mehr gesehen. Ende zurück zu Geschichten zum Lesen Fragen und Anregungen bitte an: info@zungenklang.de nach oben zum Seitenanfang / zur Navigation |