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Geschichten - Zum Lesen: Ein Bauer macht Weiberarbeit

aus Russland

Es lebte einst ein Bauer mit seiner Frau. Nun kam der Sommer und mit ihn die Erntezeit, und alle Bauern des Dorfes begannen auf ihre Äcker zu gehen und zu mähen. Jeden Morgen weckte also das Weib den Mann ganz früh. Er fuhr hinauf aufs Feld – das Weib blieb zu Hause, heizte den Ofen, kochte das Mittagessen, füllte bauchige Krüge und brachte sie ihm zum Essen. Dann mähte sie mit ihm bis zum Abend. Endlich kehrten sie gemeinsam nach Hause zurück, und am nächsten Morgen fing das Ganze wieder von vorne an.

Der Bauer aber wurde endlich der Arbeit überdrüssig. Das Weib versuchte ihn zu wecken und aufs Feld zu schicken, er stand aber nicht auf und beschimpfte sie stattdessen: „Nein, du faules Weib! Geh du doch hin, denn ab heute bleibe ich zu Hause. Bislang ging immer ich ganz früh auf den Acker, während du schläfst und kommst, wenn ich mich schon halb tot geschuftet habe!“

Was die Frau auch sagte, um ihn zu besänftigen, er blieb dabei: „Ich gehe nicht!“ – „Heute ist Samstag“, sagte die Frau, „zu Hause gibt es sehr viel Arbeit: die Hemden müssen ausgewaschen werden, die Hirse muss für den Brei zermahlen werden, der Hefeteig muss angesetzt und ein Topf Sahne für morgen zu Butter geschlagen werden...“ – „Das werde ich schon alles machen! Geh aufs Feld und lass mir meine Ruhe“ sprach der Bauer. – „Also gut, ich gehe aufs Feld. Aber du sieh zu, dass du es auch wirklich alles schaffst! Ich werde dir alles vorbereiten.“ Sie brachte ihm also ein Bündel schmutzige Hemden, Mehl für den Teig, einen Topf Sahne für die Butter und schließlich sagte sie noch, er solle die Henne mit den Küken bewachen. Dann nahm sie die Sense, verabschiedete sich und ging aufs Feld.

„Ich werde erst noch ein Weilchen schlafen!“ dachte sich der Bauer, drehte sich auf die andere Seite und schlief wieder ein. Er wachte erst mittags auf und sah mit Schrecken die Menge Arbeit, die noch auf ihn wartete. „Ich weiß nichts, was ich meiner Frau zum Essen bringen kann“, dachte er, „aber sie wird sich schon zu helfen wissen.“ Also überlegte er, womit er anfangen sollte. Er entschied, zuerst die Hemden einzuweichen. Darum band er sie aneinander und ging damit zum Fluss. Dort weichte er sie ein und ließ sie dann im Wasser: „Sie sollen erst einmal eine Weile weichen, dann hänge ich sie auf, dass sie trocknen.“, dachte er und lobte sich heimlich selber für seine Umsicht. Der Fluss hatte aber eine starke Strömung, und kaum war der Mann fort, trug das Wasser die Hemden fort.

Zuhause angekommen tat der Bauer Mehl in einen Trog und begoss es mit Wasser. Dann schüttete er die Hirse in den Mörser und begann zu stampfen. Dabei sah er die Henne, die stolzierte in der Diele herum, und die Küken liefen auseinander. Sofort ging er herzu, fing sie alle ein, und dann band er sie bei den Füßchen aneinander und alle zusammen an der Henne fest. So fuhr er fort, die Hirse zu zerkleinern. „Ach herrje,“ fiel ihm da ein, „der Topf mit Sahne steht ja auch noch da. Ich sollte sie zu Butter schlagen.“ Also ließ er die Hirse, nahm den Topf mit der Sahne und band ihn an seinem hinteren Ende fest: „Ich werde die Hirse zerstampfen“, dache er, „und dabei schaukelt die Sahne an  meinem Hintern. Ich bin ein kluger Kerl, denn so werden Hirse und Butter zu gleicher Zeit fertig!“

Nun zerkleinerte er also die Hirse, und der Topf schaukelte dabei munter mit.

Plötzlich hörte er die Henne und die Küken schreien, denn ein Habicht war aufgetaucht, und war im Begriff, die Henne fort zu tragen und mit ihr die Küken, denn die hatte er ja zuvor alle fein säuberlich an der Henne festgebunden. Der Bauer lief auf den Hof, vergaß dabei aber den Topf am Hintern und als der ihm einfiel, weil ihm die Sahne hinten die Beine herunter lief, vergaß er den Topf in seinen Händen. Den ließ er darum fallen. Da hörte er wieder die Henne schreien, lief also hinaus, um Henne und Küken zu retten, vergaß aber die Tür hinter sich zu schließen. Und während er nun mit nasser Hose über den Hof hinter dem Habicht herlief, der die schwere Ladung nur mühsam in die Luft bekam, kamen die Schweine in die Hütte, und taten sich an Teig und Hirse gütlich. Der Bauer erwischte schließlich das Küken, dass ganz unten zuletzt an der Schnur hing, und zog daran, aber der Habicht ließ die kostbare Fracht ebenfalls nicht los, und dieses Ziehen und Zerren tat weder Henne noch Küken gut, sodass sie noch lauter schrieen als zuvor. Der Bauer sah, wie nutzlos dieses Tun war und ließ endlich davon ab. Also flog der Habicht davon, Henne und Küken wie auf einer Perlenkette aufgereiht hinter sich herziehend.

Als der Bauer nun in die Hütte zurückkehrte, war diese voller Schweine. „Ach herrje, hier sieht es ja schlimmer aus als in einem Schweinestall! Hinaus mit euch!“ Er nahm einen Kochlöffel, und vertrieb die nicht eingeladenen Gäste. Aber es kostete ihn große Mühe, denn die Schweine ließen sich nur ungern von ihrem Festessen abhalten. Und sie waren so hartnäckig, dass dem Bauer schließlich der Geduldsfaden riss und er wie ein wütender Springteufel auf die Schweine einhieb. Diese bekamen es dadurch mit der Angst und voller Panik suchten sie das Weite, durchbrachen in ihrer Todesangst den Zaun und waren nicht mehr gesehen.

„Lasst euch hier nicht mehr sehen, ihr Plagegeister!“ rief der Bauer in seiner Wut noch hinter ihnen her. Dann aber dachte er, wie es sein würde, wenn seine Frau zurück käme, und die Schweine wären fort, sodass er ihnen hinterher lief. Aber die Schweine waren schneller und er fand nur noch eines, dass hatte ein lahmes Bein und konnte daher nicht so schnell rennen wie die anderen. Müde kam er wieder in der Hütte an. „Oje oje, was soll ich denn jetzt tun?“ dachte er, „wenn meine Frau zurückkommt, wird es mir übel ergehen.“ Aber was blieb ihm schon anderes übrig, als sich um die übrige Arbeit zu kümmern. Er räumte also alles auf und dachte: „Nun fahre ich zum Fluss und hole die Hemden aus dem Wasser.“ Und weil er so müde war, spannte er die Stute ein und fuhr damit zum Fluss. Doch herrje, wo waren denn bloß die Hemden? Er suchte und suchte, aber sie waren und blieben verschwunden. „Irgendwo müssen sie ja sein. Wahrscheinlich hat sie das Wasser fort getragen und sie sind irgendwo an einem Zweig hängen geblieben.“ Kurz und gut, er zog sich aus, legte Hemd und Hose ans Ufer und stieg in den Fluss. Aber so sehr er auch darin herum schwamm und schaute, es war alles vergebens, die Hemden waren fort.

Zerknirscht und schwer atmend schwamm er ans Ufer zurück. Da sah er gerade noch, wie ein alter Landstreicher mit seinem Hemd und seiner Hose das Weite suchte. „Halt, bleib stehen, du Taugenichts!“ Er lief ihm ein Stück nach, aber dann fiel ihm ein, dass er ja nackt war, und da schämte er sich. Was sollte er jetzt tun? „Ich muss zurück zum Dorf fahren, ob ich will oder nicht. Aber nackt kann ich das nicht tun. Ich werde,“ sagte er sich, „eine Handvoll Gras rupfen und es mir um die Lenden binden. So kann ich ins Dorf zu meiner Hütte. Es ist zwar eine Schande, aber besser als nackt zu sein. Und vielleicht habe ich auch Glück, und es ist gerade niemand da, der mich so sieht.“ Also riss er saftig-grünes Gras, schöne lange und kräftige Halme, band diese um seine Hüften und ging so zu seinem Gaul, um ihn loszubinden. Aber das Pferd verstand es falsch, denn es hatte nun schon lange auf der staubigen Straße gestanden und sehnte nichts mehr herbei als saftig-grünes Gras. Und bevor der Bauer es verhindern konnte, packte die Stute mit den Zähnen fest zu und riss Gras und alles, was darin verborgen war, ab. Dem Bauer schwanden vor Schmerz fast die Sinne. Er wähnte sich schon im Höllenfeuer, so sehr brannte es ihm in den Lenden. Er heulte laut auf, packte in seiner Wut ein dickes Holz, dass da lag und schlug das Pferd tot. Dann schleppte er sich mit allerletzter Kraft und unter übergroßen Schmerzen zu seiner Hütte zurück. Dort angekommen, verkroch er sich schluchzend in einer Ecke, und verwünschte den Tag, an dem er seiner Frau die Feldarbeit aufgeschwatzt hatte.

Es wurde dunkel und das Weib kam müde vom Feld heim. „He Mann, wo hast du gesteckt? Ich hatte Hunger, und hätte auch deine Hilfe gut brauchen können! Aber dir war wohl die Arbeit hier ungewohnt? Hast du denn alles geschafft?“ – „Ja, alles, liebe Frau.“, antwortete der Mann kleinlaut. – „Wo sind die Hemden?“ – „Die hat das Wasser fort getragen,“ schluchzte der Mann. – „Und die Henne mit den Küken konnte ich auch nirgends sehen?“ – „Die sind fort, der Habicht kam und hat sie uns weggeschnappt,“ stöhnte der Bauer aus der Ecke. – „Oh Gott, Mann. Und der Teig? Und die Hirse?“ – „Die haben die Schweine gefressen. Aber ich habe sie verjagt. Bis auf ein Schwein, dass ich wieder gefunden habe, sind sie alle fort“, gestand der Bauer traurig. – „Und die Sahne, mein Lieber?“ – „Ich habe sie vergossen, als ich den Habicht fangen wollte.“ – „Na, da hast du ja einiges zustande gebracht, du Hund! Und wovon sollen wir nun leben?“ rief die Frau zornig, holte einen Stock, und zahlte ihm seine Schandtaten zehnerweise auf den Rücken aus. Der Mann blieb aber dabei hocken und bewegte sich kaum, worüber sie sich doch sehr wunderte und also von ihm abließ: „Was ist mit dir los? Bist du nicht Manns genug, dich zu wehren oder wenigstens aufzustehen und davon zu laufen? Was habe ich für einen Nichtsnutz zum Manne. Nimm das Pferd und troll dich zu deiner Mutter, ich will dich nicht mehr sehen.“ „Das Pferd ist tot“, sagte der Mann, „ich habe es erschlagen, weil es mich um mein bestes Stück gebracht hat. Daher kann ich auch nicht laufen.“

Da erst sah die Frau das Elend, dass über ihren Mann gekommen war und er tat ihr nun wirklich von Herzen leid. Sie gab ihm zu trinken, pflegte ihn wieder gesund, und sprach kein einziges böses Wort mehr mit ihm, denn – so fand sie – er war bestraft genug und hatte hoffentlich seine Lektion gelernt. Und so war es auch.

Der Bauer konnte schließlich nach vielen Wochen wieder ohne Schmerzen aufs Feld gehen – und das tat er von Stund an pünktlich und ohne, dass die Frau ihn wecken musste.

Ende


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